
Theorien aufstellen, Quellen recherchieren und wissenschaftliche Irrtümer aufspüren: Für die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und das FAU Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion (ZIWIS) entwickelten wir Zombies In Science. Eine gamifizierte Lernerfahrung, in der Besuchende selbst aktiv werden – und Behauptungen begegnen, die längst widerlegt sind, aber einfach nicht verschwinden wollen. Mit vier unterschiedlichen Rollen, einer gemeinsamen Theoriensammlung und einer gehörigen Portion Zombie-Humor machen wir wissenschaftliches Denken zum interaktiven Teil einer Wanderausstellung.
AIWissenschaft wird häufig über ihre Erfolge sichtbar. Über Entdeckungen, Durchbrüche und Erkenntnisse, die unser Verständnis der Welt verändern. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehören aber ebenso Irrtümer, erfolglose Experimente und Ansätze, die sich nicht bewähren. Gerade darin können wichtige Erkenntnisse liegen – vorausgesetzt, das Scheitern wird nachvollziehbar und nicht einfach ausgeblendet.
Hier setzt das Forschungsprojekt „Scheitern in den Wissenschaften – historische und systematische Perspektiven“ an. Es verbindet wissenschaftsphilosophische, historische und literaturwissenschaftliche Perspektiven und betrachtet dabei nicht nur den Irrtum selbst. Auch die Frage, wann und durch wen etwas als gescheitert eingeordnet wird, gehört zum Untersuchungsgegenstand.
Unsere Aufgabe war es, einen Zugang zu diesem Themenfeld zu schaffen, der für ein breites Ausstellungspublikum funktioniert. Nicht als zusätzliche Texttafel und nicht als klassisches Game, bei dem der Lerngedanke hinter dem Spielgeschehen verschwindet. Sondern als Anwendung, in der wissenschaftliche Denkweisen durch eigenes Handeln erfahrbar werden.
Dafür übersetzen wir das Thema in eine anschauliche Metapher: Widerlegte Theorien werden zu Zombies. Sie tauchen wieder auf, werden erneut geglaubt und müssen als Irrtümer erkannt werden. Ihr Gegenmittel sind keine Waffen, sondern überprüfbare Aussagen, Quellen und begründete Urteile. Und ihr Friedhof ist kein Ort des Vergessens, sondern eine Sammlung, aus der andere lernen können.
Zombies In Science beginnt mit einem Tutorial, das die Grundidee vermittelt: Theorien entwickeln, mit Quellen überprüfen und überlegen, ob sie sich bewähren oder scheitern. Anschließend stehen vier Rollen zur Auswahl. Jede eröffnet einen anderen Zugang zum Thema – vom eigenen Entwurf einer Theorie bis zum Blick auf bereits widerlegte Behauptungen.
Die Rollen sind dabei keine voneinander getrennten Minispiele. Wir verbinden ihre Aufgaben über eine gemeinsame Datenbasis. Was eine Person als Theorie einbringt, kann von anderen recherchiert und bewertet werden. So werden die Beiträge der Besuchenden selbst zum Material der Lernerfahrung.
Den Einstieg bildet die Frage, was eine wissenschaftlich überprüfbare Aussage ausmacht. In der Forschungsrolle formulieren die Teilnehmenden eigene Theorien und leiten daraus Prognosen ab, die sich testen lassen. Es geht also nicht nur darum, etwas zu behaupten, sondern zu überlegen: Was müsste sich beobachten lassen, wenn diese Theorie zutrifft? Damit rückt die Überprüfbarkeit einer Aussage in den Mittelpunkt.
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AIIn der Faktencheck-Rolle werden Theorien ausgewählt und mit Quellen ergänzt. Über einen Button lässt sich Wikipedia öffnen, um passende Informationen zu recherchieren. Der Link zur gefundenen Seite wird anschließend in der App hinterlegt und als stützende oder widersprechende Quelle eingeordnet. Vertraute Wischgesten begleiten die Auswahl und Zuordnung. Aus einer bloßen Behauptung wird damit eine Aussage, deren Grundlage andere nachvollziehen können.
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AIAuf der Zombiejagd werden die Theorien beurteilt: Ein Wischen nach rechts steht für Zustimmung, nach links für Ablehnung. Danach gibt die App unmittelbar Rückmeldung zur Entscheidung. Wer danebenliegt, hat womöglich einen Zombie erweckt. Die Mehrheitsbewertung der Zombiejäger*innen bestimmt dabei die spielinterne Einstufung einer Theorie. Diese Abstimmung ist Teil der vereinfachten Spielmechanik – kein Ersatz für einen wissenschaftlichen Nachweis.
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AIIm Theorie-Friedhof bleiben die beerdigten Aussagen zugänglich. Hier lässt sich nachlesen, warum sie als widerlegt gelten. Besonders abwegige Theorien können als absurd markiert und die Sammlung nach den neuesten oder den absurdesten Einträgen sortiert werden. Der humorvolle Rahmen trägt einen ernsthaften Gedanken: Dokumentierte Irrtümer sind nicht wertlos. Sie können anderen helfen, dieselben Fehler nicht zu wiederholen.
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AIEntscheidend ist das Zusammenspiel. Neu eingebrachte Theorien stehen zunächst für die Quellenrecherche bereit. Sobald mindestens eine Quellenangabe vorliegt, gelangen sie zur Zombiejagd. Als widerlegt eingeordnete Aussagen können anschließend im Friedhof nachvollzogen werden. Ein bereits enthaltener Grundbestand an Theorien ermöglicht den Einstieg; eigene Beiträge erweitern die Sammlung.
Damit entwickeln wir kein reines Wissensquiz mit feststehenden Fragen. Die Teilnehmenden bringen Inhalte ein, bearbeiten die Beiträge anderer und erleben, wie unterschiedliche Aufgaben miteinander zusammenhängen.
Die Wanderausstellung „FAIL – Scheitern in Wissenschaft und Technik“ bringt das Thema ins Deutsche Museum Nürnberg – das Zukunftsmuseum. Sie entsteht in Kooperation mit dem ZIWIS und widmet sich den unterschiedlichen Facetten des Scheiterns.
Zombies In Science wird innerhalb der Station „Dramatisches vs. produktives Scheitern“ eingesetzt, einer von insgesamt sieben Ausstellungsstationen. Nach der aktuellen Projektplanung startet die Wanderausstellung am 26. November 2026 in Nürnberg und bleibt dort als erster Station bis zum 26. April 2027.
Der Zugang zur Anwendung erfolgt direkt aus der Ausstellung: Besuchende scannen einen QR-Code und nutzen Zombies In Science auf ihrem eigenen Gerät. So ergänzen wir den physischen Ausstellungsraum um eine persönliche, interaktive Erfahrung.
Die Bedienung ist auf diesen Einstieg ausgerichtet. Ein Tutorial führt in das Prinzip ein, die Rollen geben Orientierung und Wischgesten strukturieren Auswahl und Bewertung. Für die Rollen stehen unterschiedliche Geschlechtsvarianten der Charaktere zur Verfügung. Musik und Sounds ergänzen die visuelle Gestaltung und die Rückmeldungen der Anwendung.
Für die FAU und das ZIWIS haben wir damit ein Vermittlungsformat geschaffen, in dem Besuchende nicht nur Informationen aufnehmen. Sie formulieren selbst, recherchieren, urteilen und setzen sich mit Irrtümern auseinander. Das Thema Scheitern wird dadurch zu einer eigenen Erfahrung: Eine Theorie kann sich nicht bewähren – und die Beschäftigung mit ihr trotzdem etwas vermitteln.
Begleitend setzten wir die WordPress-Landingpage um, die den Forschungs- und Ausstellungskontext online zugänglich macht.
Bei Zombies In Science setzen wir KI sowohl in der Produktion als auch innerhalb der Anwendung ein.
Für die Erstellung der Grafiken nutzten wir KI als gestalterisches Werkzeug. Die daraus entstandenen Charaktere geben den vier Rollen ein Gesicht und machen den Wechsel zwischen Forschen, Faktencheck, Zombiejagd und Friedhof auch visuell erkennbar.
Innerhalb der App unterstützt KI die Prüfung selbst eingebrachter Theorien und Prognosen. Dabei geht es darum, ob die Eingaben sinnvoll sind und zueinander passen. Zusätzlich hilft die Prüfung, Beleidigungen und andere ungeeignete Inhalte in den nutzergenerierten Beiträgen abzufangen. Gerade weil alle Rollen auf dieselbe Sammlung zugreifen, betrifft die Qualität einer Eingabe nicht nur die Person, die sie erstellt.
Die KI übernimmt dabei eine unterstützende Funktion: Plausibilität prüfen und Inhalte moderieren – nicht wissenschaftliche Wahrheit feststellen. Das Recherchieren, Abwägen und Hinterfragen bleibt Teil der Lernerfahrung.
Eine Ausstellung, ein Forschungsthema oder ein Bildungsangebot soll interaktiv erlebbar werden? Wir gestalten und entwickeln digitale Anwendungen, die Inhalte verständlich machen und zum eigenen Ausprobieren einladen.