
Wir haben unseren Standort verlegt — in einen Altbau direkt am Lorlebergplatz, Bismarckstraße 9. Zwei Gründe: Abgehängte Decken und Leuchtstoffröhren machen keine gute Kreativarbeit. Und weil hier die Kunden, die Uni und das Stadtleben zusammenkommen. Was wir gesucht, gefunden und dabei über Räume gelernt haben.

Unsere alten Räume waren nicht schlecht. Wir hatten sie im Rahmen unserer Möglichkeiten gestaltet, es hing genug an den Wänden, und niemand ist morgens ungern hingekommen.
Aber über allem hing eben auch: eine abgehängte Decke. Darunter Leuchtstoffröhren, die alles gleichmäßig, kalt und schattenlos ausgeleuchtet haben. Man gewöhnt sich daran. Man merkt es erst, wenn man einen halben Tag woanders gearbeitet hat und zurückkommt.
Das Problem ist nicht die Optik allein. Ein Raum, der aussieht wie ein Großraumbüro, wird auch wie ein Großraumbüro benutzt. Man setzt sich hin, arbeitet Tickets ab und geht wieder. Für die Hälfte unserer Arbeit ist das völlig in Ordnung. Für die andere Hälfte — Konzeption, Look-Entwicklung, das gemeinsame Ringen um eine Idee, die noch keinen Namen hat — ist es das Gegenteil von hilfreich.
Als Kreativagentur für digitale Innovationen verkaufen wir Räume, in denen Menschen etwas erleben. Es wäre seltsam, wenn wir selbst in einem säßen, der nichts erzählt.
Das ist kein Bauchgefühl. Joan Meyers-Levy und Rui Zhu haben 2007 im Journal of Consumer Research gezeigt, dass allein die Deckenhöhe messbar beeinflusst, wie Menschen denken: In Räumen mit hohen Decken verarbeiten Testpersonen Informationen eher relational und abstrakt — sie verknüpfen, sie abstrahieren. In niedrigen Räumen arbeiten sie eher detailorientiert und konkret. Der Effekt ist seither als „Cathedral Effect" bekannt und in der Originalstudie nachlesbar.
Man sollte daraus keine Wunder ableiten. Eine hohe Decke schreibt kein Konzept. Aber die Richtung stimmt mit dem überein, was wir im Alltag beobachten: Detailarbeit funktioniert überall. Der Gedankensprung braucht Luft.
Dazu kommt der weniger romantische Teil: Tageslicht, Akustik, Temperatur und Luftqualität schlagen direkt auf Konzentration und Wohlbefinden durch. Ein Raum, der einen ganzen Arbeitstag lang erträglich ist, ist bereits ein produktiver Raum.
Gesucht haben wir nicht „Bürofläche". Gesucht haben wir einen Ort mit Charakter — und der lag am Ende mitten in der Stadt.
Der Lorlebergplatz ist der runde Platz, an dem die Universitätsstraße auf die Bismarckstraße trifft. Er entstand ab 1886 als erste eigenständige städtebauliche Entscheidung Erlangens im Rahmen der Stadterweiterung — bewusst als Gegenstück zur barocken Altstadt. Die dreigeschossigen Häuser ringsum wurden zwischen 1889 und 1895 im Stil der Neorenaissance gebaut und sind bis heute außergewöhnlich gut erhalten. Der gesamte Straßenraum steht als Ensemble unter Denkmalschutz, viele Häuser zusätzlich als Einzeldenkmal.
Genau so ein Haus ist die Bismarckstraße 9. Hohe Decken, große Fenster, ein Treppenhaus, in dem man den Bauzeitpunkt hört, bevor man ihn sieht.
Und die Stadt investiert weiter: Bismarckstraße und Lorlebergplatz werden im Zuge der Innenstadtentwicklung neu gestaltet, Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt. Wir ziehen also nicht in eine konservierte Kulisse, sondern in ein Stück Stadt, an dem gerade gearbeitet wird. Das passt uns gut.
Kreative Köpfe brauchen kreative Räume. Das gilt für unsere Projekte — es wäre unehrlich, es für uns selbst nicht gelten zu lassen.Aus der Standortentscheidung, 2025
Ein Gewerbegebiet hätte all das auch geboten: gute Anbindung, genug Fläche, wahrscheinlich mehr Quadratmeter fürs Geld.
Was es nicht geboten hätte, ist das hier: Wenn wir mittags rausgehen, sind wir in der Stadt. Zwischen Studierenden, Marktständen, Cafés und Leuten, die gerade etwas anderes tun als wir. Für einen Beruf, in dem man Erlebnisse für Menschen gestaltet, ist das kein Wohlfühlfaktor, sondern Materialbeschaffung. Man sieht, wie Leute Dinge benutzen. Man hört Gespräche, die nicht über Projekte gehen. Ideen entstehen selten am Schreibtisch und fast nie im Konferenzraum.
Und einmal im Jahr kommt die Stadt sowieso zu uns: Die Erlanger Bergkirchweih — von allen hier nur „der Berg" genannt — findet seit 1755 am Hang des Burgbergs statt, direkt am nördlichen Rand der Innenstadt. Zwölf Tage, ab dem Donnerstag vor Pfingsten, rund eine Million Besucher:innen. Vom Lorlebergplatz sind es ein paar Minuten zu Fuß.
Das ist kein Argument, das in eine Standortanalyse gehört. Aber wer schon einmal ein Projekt-Kickoff am Kellerberg statt im Besprechungsraum ausklingen lassen hat, weiß, warum wir es trotzdem aufschreiben.
Damit das kein Werbetext wird, die andere Seite.
Akustik. Hohe Decken und harte Oberflächen klingen großartig, bis vier Leute gleichzeitig telefonieren. Ein Altbau braucht Absorption — Textil, Regale, Vorhänge, Akustiksegel — sonst tauscht man Leuchtstoffröhren gegen Hall. Das haben wir eingeplant, und es war kein kleiner Posten.
Technik. Netzwerk, Strom für Workstations, Kühlung im Sommer: In einem Denkmalensemble ist nichts davon eine Frage von „Kabelkanal aufmachen". Es geht, es dauert nur länger und kostet mehr Abstimmung als im Neubau.
Wer denselben Weg überlegt, sollte beides von Anfang an budgetieren — nicht als Nachtrag, wenn die Schreibtische schon stehen.
Konkret: die Adresse, die Wege und die Einladung.
Wir sind erreichbar wie vorher, arbeiten mit denselben Leuten an denselben Projekten. Was sich ändert, ist der Ort, an dem wir uns treffen können. Workshops, Konzeptrunden, Prototypen anschauen, eine XR-Anwendung tatsächlich aufsetzen statt sie als Video zu zeigen — dafür ist ein Raum mit Luft schlicht besser geeignet als ein Besprechungszimmer mit Deckenraster.
Und die Wege sind kürzer geworden. Vom Siemens Campus, aus Herzogenaurach, aus Nürnberg oder von der FAU ist der Lorlebergplatz eine überschaubare Strecke — nah genug, dass ein persönlicher Termin nicht erst einen halben Tag Kalender kostet.
Umami Creative GmbH
Bismarckstraße 9
91054 Erlangen
Bismarckstraße 9, mitten in Erlangen. Termin kurz abstimmen, dann zeigen wir Ihnen die neuen Räume und woran wir gerade arbeiten.